Musikbrücke

Junge Talente aus Russland und Deutschland lassen klassische Hochkaräter erklingen

St. Elizabeth's Kirche, Wiesbaden

Russian Orthodox Church of Saint Elizabeth on the Neroberg mountain in Wiesbaden, Germany

Junge Talente aus Russland und Deutschland lassen klassische Hochkaräter erklingen

Herus e.V. begeistert mit seelenvoll gelebter Musikbrücke in Hochheim am Main, Wiesbaden und Seeheim-JugenheimGerade weilten noch „Russische Reisende in Deutschland“ – Gogol, Turgenjew oder Puschkintochter Gräfin Natalja von Merenberg und Mitglieder des Zarenhofes waren da. Die sehenswert informative Schau des Moskauer Puschkin-Museums in Kooperation mit „Herus e.V.“ wurde im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden gezeigt und geht jetzt nach Moskau. Direkt anschließend erfreute der Verein „für hessisch-russischen interkulturellen Austausch und humanitäre Hilfe“ mit einem weiteren, hochrangigen Kulturprojekt. „Herus e.V. startete seine „Musikbrücke“ mit jungen Pianistinnen und Pianisten und präsentierte zehn Preisträger regionaler, nationaler sowie internationaler Musikwettbewerbe aus Russland und Deutschland. Auch die Auftrittsorte waren mit Fingerspitzengefühl ausgewählt, wie Herus-Vorsitzender Dr. Alexander de Faria bei seiner freundlichen Begrüßung erläuterte: Im Antoniushaus Hochheim am Main, im historisch bedeutsamen Saal des Justizministeriums Wiesbaden und auf Schloß Heiligenberg in Seeheim-Jugenheim (Sommerresidenz späterer Zarinnen hessischer Herkunft) fanden die gut besuchten Konzerte statt.

Das gerade mal neun Lenze zählende Klavierduo Darja Schelajeva und Pjotr Gumennik, national und international preisgekrönt, war bestens aufeinander bezogen und riss mit Glinkas „Kavalleristen-Trab“ hin. Die 15jährige Ernestine Makalatija gewann mit einer Tschaikowsky-Humoreske und die 13jährige Angelina Gagarina mit einer Meditation des russischen Meisters alle Herzen. Der elfjährige Landespreisträger Dominik Schmidt begeisterte den Saal mit Berkovichs „Variationen über ein Thema von Paganini“. Der hessische Regionalsieger Nils Düsterhöft (15) bewies sein Können mit Mendelssohns „Rondo Capriccioso“. Landespreisträgerin Rebecca Hubbuch (15) nahm mit feinfühliger Finesse auf Schamos „Troika-Fahrt“ mit. Schon vielfach international auch als Komponist ausgezeichnet, widmete sich Francisco Rafael Gordo (13) Chopins Polonaise c-moll mit einfühlsamer Hingabe. Maya Hörner (15), als Solistin Konzerttournee-erfahren, verführte mit Liszts „Sonetto 123 del Petrarca“ zum Träumen. Die mehrfach preisgekrönte Masterclass-Teilnehmerin Arina Timoffeeva (20) gestaltete mit der ausdrucksstark interpretierten Fantasie zu Rossinis „Barbier“ ein beifallumtostes Finale.

Das Publikum war vom dramaturgisch ausgefeilten Programm mit erstaunlich souverän anmutenden Darbietungen fern aller Effekthascherei höchst angetan und spendete reichlich Applaus. Ohne Zugabe kamen die jungen Talente mit ihren Pädagoginnen Irina Avramkova, Olga Kournavina, Elena Schwarz und Elena Fedorovskaja sowie dem Pädagogen Leonid Schick und dem künstlerischen Leiter Vadim Palmov nicht von der Bühne.

Herus-Vizechefin Clotilde von Rintelen verkörpert laut Puschkin-Musuemschef Jewgenij A. Bogatyrov „die lebendige Brücke der Liebe zwischen Wiesbaden und Moskau“. Die Puschkin-Ururenkelin kleidete ihren Dank an alle Mitwirkenden und den unterstützenden Rhein-Main-Verkehrsverbund in den Wunsch nach gemeinsamem Weiterbauen an dieser Musikbrücke. Herus e.V. plant für Oktober kommenden Jahres ein spiegelbildliches Konzert in St. Petersburg und ist auf der Suche nach Sponsoren.

St. Elizabeth's Kirche, Wiesbaden
St. Elizabeth's Church, Wiesbaden
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Grab Prinzessin Elisabeth Michailowna Romanowa
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Über Die Autorin

Clotilde von Rintelen

Clotilde von Rintelen wurde 1941 in Wiesbaden, einem ehemaligen „russischen Kurort“, geboren. Sie ist Nachfahrin des Zaren Alexander II. und Ururenkelin von Alexander Puschkin.
Ihre Person symbolisiert den perfekten Brückenschlag zwischen Deutschland und Russland. Neben ihrer Tätigkeit als Vorsitzende der Deutschen Puschkingesellschaft arbeitet sie heute als sozial engagierte Fachärztin.

Clotilde von Rintelen über sich selbst:

„In meiner Familie wurde darüber nicht gesprochen. Ich wusste aber schon früh, dass ich so ‘typisch deutsch’ nicht sei. Oftmals hörte ich ‘die kleine Merenberg ist so entzückend natürlich’, dann wusste ich irgendetwas war nicht üblich. Immer wollte ich Russisch lernen, aber es gab so viele Entschuldigungen, es nicht zu tun: Früher Tod der Eltern, das Medizinstudium musste zunächst beendet werden, Heirat, drei Söhne, der Wiedereintritt in den Beruf. Aber 1991 war es dann soweit, ‘pora’! Ich wollte im Oktober nach Russland. Kurz nach meinem Entschluss erhielt ich zur 180 Jahresfeier von Puschkins Lyzeum eine Einladung. Und begann dort meine ersten Schritte auf den Spuren meiner Vorfahren zu tun und meine ersten Worte in Russisch zu lernen.Was mich oft zu Tränen gerührt hat, das Vertrauen ‘en avance’, das man mir und meiner Familie entgegenbringt, nur weil wir “seine” Nachkommen sind. Ich empfinde es als Verantwortung und Verpflichtung!”