Die Russische Kirche in Wiesbaden

Vereinsgeschichte

St. Elizabeth's Kirche, Wiesbaden

Russian Orthodox Church of Saint Elizabeth on the Neroberg mountain in Wiesbaden, Germany

160 Jahre Russisch Orthodoxe Kirche auf dem Nerobergund, 15 Jahre Verein

Großfürstin Elisaweta Michailowna (1826 – 1845) – Nichte des Zaren Nikolaus I., Tochter seines jüngeren Bruders des Großfürsten Michail Pawlowitsch und der Großfürstin Jelena Pawlowna – vermählte sich 1844 mit dem regierenden Herzog Adolf von Nassau. Ein Jahr nach der Hochzeit starb sie zusammen mit der neugeborenen Tochter während der Entbindung. Nach diesem tragischen Ereignis wurde auf Wunsch von Herzog Adolf von Nassau mit der Planung und dem Bau der Grabkirche auf dem Neroberg begonnen.

Die Russische Kirche in Wiesbaden bekundet als eine der ersten Sakralbauten in Westeuropa den Stil der russische-orthodoxen Kirchenarchitektur. Ihre Kuppeln leuchteten schon auf dem Neroberg, noch ehe die russischen Kirchen in Paris, Nizza, Weimar, Dresden und Berlin gebaut wurden.

Der von Herzog Adolf mit der Planung der Grabkirche beauftragte renommierte Architekt Philipp Hoffmann reiste seinerzeit nach Russland, um den russischen sakralen Baustil näher kennenzulernen. Obwohl er sich an der Tradition des Moskauer kirchlichen Baustils des 16. und 17. Jahrhunderts orientierte, hat er diesen im Stile des Historismus interpretiert.
Bei der Errichtung der Russischen Kirche wurde heller Sandstein aus der Umgebung eingesetzt. Über der Süd -, West - und Ost – Fassade  befinden sich Medaillons mit Köpfen der Heiligen Elisabeth, der Heiligen Helena und des Heiligen Erzengels Michael. Sie sind Schutzheilige der Verstorbenen und ihrer Eltern. Für den Sarkophag der Großfürstin Elisaweta Michailowna ist in der Nordseite der Kirche eine Apsis geschaffen worden. Der Innenraum der Kirche ist mit verschiedenen Marmorarten reichhaltig ausgestattet. In den Rundbögen befinden sich Fresken, die von dem bekannten  Künstler August Hopfgarten und Otto Reinhard Jacobi  geschaffen wurden. Die Ikonostase haben italienische Marmorkünstler mit einem üppigen Schnitzwerk aus Carrara Marmor versehen. Die Ikonen hat in Petersburg Hofmaler Karl von Neff, Professor an der kaiserlichen Kunstakademie, gemalt. Der Sarkophag aus Marmor mit der liegenden Skulptur der Verstorbenen ist vom Berliner  Steinbildhauermeister Emil Hopfgarten ausgeführt.

Die Russische Kirche hoch auf dem Neroberg zählt zu den bedeutendsten Wahrzeichen in Wiesbaden. Sie stellt das Symbol des „Russischen Wiesbaden“ dar. Im 19. Jahrhundert besuchte während der Kursaison eine Vielzahl russischer Gäste den populären Kurort mit seinen heißen heilenden Quellen. Die Besucherschar umfasste hochrangige Adelige, hochgestellte Beamte und Militärangehörige, Schriftsteller und Kunstmaler.

Die Russische Kirche und der dazugehörige Russische Friedhof stehen im Eigentum der deutschen Körperschaft des öffentlichen Rechts der russisch-orthodoxen Diözese in Deutschland. Sie bildete über viele Jahrzehnte den Mittelpunkt des geistlichen Lebens für viele russische Generationen und ihre Nachkommen. Die Kirche steht für die Erinnerung an die „russische Vergangenheit“ der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Das Schicksal hat es so gewollt, dass Großfürstin Elisaweta Michailowna fern von ihrer Heimat und ihren Lieben in Wiesbaden verstarb und hier begraben wurde. Entsprechend symbolträchtig befinden sich Ansichten der Russischen Kirche in Wiesbaden in der großfürstlichen Gruft neben der Peter und Paul Kathedrale in Petersburg, die letzte Ruhestätte ihrer Eltern, Großfürst Michael und Großfürstin Jelena sowie ihrer Schwestern Maria, Jekaterina, Aleksandra und Anna.

St. Elizabeth's Kirche, Wiesbaden
St. Elizabeth's Church, Wiesbaden
This is some text inside of a div block.
Grab Prinzessin Elisabeth Michailowna Romanowa
St. Elizabeth's Church, Wiesbaden
This is some text inside of a div block.
St. Elizabeth's Kirche, Wiesbaden
St. Elizabeth's Church, Wiesbaden
This is some text inside of a div block.

Über Die Autorin

Clotilde von Rintelen

Clotilde von Rintelen wurde 1941 in Wiesbaden, einem ehemaligen „russischen Kurort“, geboren. Sie ist Nachfahrin des Zaren Alexander II. und Ururenkelin von Alexander Puschkin.
Ihre Person symbolisiert den perfekten Brückenschlag zwischen Deutschland und Russland. Neben ihrer Tätigkeit als Vorsitzende der Deutschen Puschkingesellschaft arbeitet sie heute als sozial engagierte Fachärztin.

Clotilde von Rintelen über sich selbst:

„In meiner Familie wurde darüber nicht gesprochen. Ich wusste aber schon früh, dass ich so ‘typisch deutsch’ nicht sei. Oftmals hörte ich ‘die kleine Merenberg ist so entzückend natürlich’, dann wusste ich irgendetwas war nicht üblich. Immer wollte ich Russisch lernen, aber es gab so viele Entschuldigungen, es nicht zu tun: Früher Tod der Eltern, das Medizinstudium musste zunächst beendet werden, Heirat, drei Söhne, der Wiedereintritt in den Beruf. Aber 1991 war es dann soweit, ‘pora’! Ich wollte im Oktober nach Russland. Kurz nach meinem Entschluss erhielt ich zur 180 Jahresfeier von Puschkins Lyzeum eine Einladung. Und begann dort meine ersten Schritte auf den Spuren meiner Vorfahren zu tun und meine ersten Worte in Russisch zu lernen.Was mich oft zu Tränen gerührt hat, das Vertrauen ‘en avance’, das man mir und meiner Familie entgegenbringt, nur weil wir “seine” Nachkommen sind. Ich empfinde es als Verantwortung und Verpflichtung!”